Religion

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Der historische Jesus

„Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“ (Matthäus 24,35)

Ein jüdischer Wanderprediger, der in einer abseitigen Ortschaft des Römischen Reiches wirkte, begründete um das Jahr 30 eine Weltreligion. Dieser leitet noch heute durch seine verschriftlichten Lehren und Gebote etwa 2,26 Mrd. Anhänger des Christentums

Wir sprechen von Jesus von Nazareth.

Doch wie kann man nach über zweitausend Jahren noch etwas über ein damaliges für viele Menschen ordinär wirkendes Individuum erfahren?

Mit Hilfe der historischen bzw. historisch-kritischen Jesusforschung, die sich seit der Aufklärung des 18. Jahrhunderts entwickelt, lassen sich viele Fragen über den historischen Jesus beantworten. Sie forscht mit wissenschaftlichen Methoden in den Schriften des Urchristentums und weiteren außerbiblischen Quellen nach der historischen Person Jesus von Nazareth.

Da sich damals lediglich eine Minderheit für den ehemaligen, bedeutungslosen, wunderheilenden Wanderprediger, der durch Galiläa zog, interessierte, gibt es nur sehr wenig außerbiblische Quellen. Trotzdem zweifeln Historiker nicht an die Existenz und Hinrichtung Jesu, berücksichtigen aber, dass die überlieferten Quellen hauptsächlich den Glauben an Jesus erhalten wollen.

Historische Fakten von legendarischen oder mythischen Motiven und theologischen Deutungen werden seit der etwa 1750 entstandenen akademischen Forschung der urchristlichen Schriften unterschieden. Die historische Jesusforschung versucht den Evangelien eine biografische Entwicklung entnehmen zu können; ergänzen jedoch auch fehlende oder falsche Daten. Aufgrund der mythischen Elemente der Evangelien wurden ab etwa 1900 die historisch-kritischen Jesusforschungen und deren Ergebnisse verfeinert und durch außerbiblische Quellen überprüft. Nun wurden auch Kenntnisse der Archäologie, Sozialgeschichte, Orientalistik und Judarstik zur Zeit  Jesus mit einbezogen. Heute forschen evangelische, katholische, jüdische und athestische Historiker gemeinsam. Ihre Absicht ist es somit deren Ergebnisse von weltanschaulichen Interessen zu distanzieren.

Für die meisten Historiker, die sich mit der Jesusforschung beschäftigen, hat Jesus tatsächlich gelebt. Somit wurde er deutlich in das damalige Judentum eingeordnet.

Der Name Jesus kommt aus dem Altgriechischem und ist die aramäische Kurzform von Jeschua (oder Jeschu). Übersetzt wurde Jesus mit dem hebräischen männlichen Vornamen Jehoschua.

Verschriftlichte biblische Quellen deuten seinen Namen als Aussage:“ Gott ist die Rettung“ oder „der Herr hilft“(vgl. Mt1.2/ und Apg 4,12).

Aus historischer Sicht wurde Jesus in Nazareth zwischen 4 – 7 v. Chr. Geboren. Den Urchristen war diese Angabe noch unbekannt. Nach Mt 2,1ff und Lk 1,5 gilt diese Aussage jedoch als glaubhaft. Somit ist Jesus vor dem Tod Herodes des Großen geboren. Historiker begründen die christliche Zeitrechnung, die das auf Jesu Geburt folgende Jahr als „Jahr eins“ bezeichnet, als einen Rechenfehler. Nach römischen Quellen fand die erste römische Volkszählung somit erst 6 oder 7 nach Chr. Statt. Der Versuch, Bethlehem als Geburtsort Jesu glaubhaft zu machen (Lk 2,2) sei somit ein chronologischer Fehler. Nazareth war nicht nur Jesus Geburtsort sondern auch der seinens Vaters. Des weiteren war dieser auch der Wohnort seiner Familie. Nach Belegung aus jüngeren archäologischen Gebäuden und Geschirrfunden gilt Nazareth als kleines Dorf von höchstens 400 Einwohnern, das zur Zeit Jesu exestierte. Jesus war der erstgeborene Sohn Marias, die zu diesem Zeitpunkt ein sehr junges Mädchen war. Sein Vater hieß Josef, welcher sehr früh gestorben ist. Nach den Evangelien, die neben allen Bekenntnissen historisch greifbar sind, hatte Jesus vier jüngere Brüder und einige Schwestern väterlicherseits. Außerdem übernahm er , wie es damals üblich war, den Beruf seines Vaters und wurde Zimmermann. Seine Muttersprache war aramaisch, trotzdem konnte er die hebräisch verfasste Bibel lesen. Jesus öffentliches Wirken begann durch seine Taufe durch Johannes den Täufer im Jordan, welches als historisches Ereignis gilt. Sein Verhältnis zum Täufer Johannes wurde ihm zum entscheidenden Berufungserlebnis. Nach Mt 10,5,15,25 fühlte sich Jesus nur zu den „verlorenen Schafen des Hauses Israel“ hingezogen. Sein öffentliches Auftreten in Galiläa und später in Jerusalem war vermutlich weniger als ein Jahr. Seine wenigen überlieferten Begegnungen mit Nichtjuden, erscheinen Historikern als Ausnahme. (Den ältesten historischen Hinweis auf Jesus findet man in dem Werk „Antiquitates Juda.

(Weltgeschichte des jüdischen Volkes von der Urzeit bis 66 n. Chr.) des jüdischen Historiker Josephus Flavius. Seine Berichte über Jesus Verurteilung einiger Gesetzesübertreter und der Steinigung durch Jakobus (Bruder Jesu) gelten wissenschaftlich bedeutend.)

Nach Jesus Taufe folgte er noch für ein paar Wochen Johannes dem Täufer. Danach begann er eigenständig zu predigen. Wann und wo er genau predigte ist unbekannt, jedoch wurd vermutet, dass er sich unteranderem oft am Westufer des Sees Genezareth aufhielt, um dort zu predigen. Die Verehrung der Anhänger Jesu machten ihn bei Pontius Pilatus (kaiserlicher Vertreter in Paästina) verdächtig. Obwohl Jesus Heimat das Dorf Nazareth war, hat er dieses verlassen und kehrte nie wieder zurück. Dies tat er auch nicht, nachdem Jesus bekannt wurde, das er sterben würde.  Wissenschaftler und Historiker stellen sich noch heute die Frage: Wer oder was trieb Jesus schließlich aus Nazareth hinaus? Ist Jesus Essener gewesen? Nein, wahrscheinlich nicht, da er Dinge wie den Tempel, das Priestertum und die kultische Reinheit als unwichtig betrachtete. Außerdem begegnete er oft den Unreinen, den Zöllnern und Prostituierten. War Jesus dann vielleicht ein Zelot? Zwar schenkte Jesus den Armen und den Verachteten Hoffnung, würde aber nicht für ihr Leben und sein eigenes morden. Zu welcher Gruppe Jesus nun tatsächlich gehörte, lässt sich nicht sagen. Jedoch steht fest, dass Jesus als ältester Sohn seine Familie verlassen hat. Warum er dies genau riskierte, ist ebenfalls nicht bekannt.

Wissenschaftlich bewiesen ist, dass Jesus Leben in Jerusalem endete. Er wurde an einem Freitag des Monats Nisan (April) gekreuzigt. Diese Kreuzigung lief parallel zu der Amtszeit des Pontius Pilatus. Er hielt über Jesus Gericht und veruteilte ihn wohlmöglich (Quellen wiedersprechen sich). Das römische Gesetz besagte, dass der Verurteilte sein Blutgerüst selbst zur Hinrichtungsstätte schleppen musste. Somit trug Jesus auch sein Kreuz. Seine Hinrichtungsstätte war der Hügel Golgatha zu dem ihm nur einige weibliche Anhänge folgen. Jesus Jünger sind aus Jerusalem geflohen.

Zwar starb Jesus, Gründer der noch heut bestehenden Weltreligion, an der schändlichsten und qualvollsten Strafe Roms... jedoch lebt er noch für sehr viele Christen in deren Herzen weiter.

Text von Jana Nuyken, 12. Jahrgang